I.
Als Alexander das erste Mal auf Jerome (und Lucia) traf, hatte Jerome gerade die Hände auf Lucias Brüsten und seine Lippen auf den ihren. Er wollte eigentlich nicht in ihr Schäferstündchen platzen, doch er hatte sich auf seiner neuen Arbeitsstelle verlaufen und so hatte er einfach alle Türen aufgerissen, um irgendjemanden hier zu finden.
Sein erster Gedanke, als er Jerome sah, war: Hübsche Leute arbeiten in diesem Theater.
Sein zweiter Gedanke, als Jerome ihn sah, war: Aber der Kerl wird dich jetzt sicher für immer und ewig hassen.
Dann nahm er seine Beine in die Hand, da Jerome vor Wut begann, ihn mit Dingen zu bewerfen. Ich bin kein verrückter Fan! Ich ich arbeite-
RAUS HIER!
II.
Es stellte sich am gleichen Tag noch heraus, dass Jerome nicht nur irgendein gut aussehender Mann hier in diesem Theater war, sondern einer seiner anderen beiden Kollegen, die die Hauptrollen belegten. Alexander war der neue Darsteller für den Tod, Jerome der schon längere hier spielende Darsteller für Luigi Lucheni und Lucia ironischerweise die halbwegs neue Darstellerin für Kaiserin Elisabeth.
Jerome hatte ihm ihre erste Begegnung sehr übel genommen. Außerhalb der Probe ignorierte er ihn so gut es ging.
Das hielt Alexander nicht davon ab, trotzdem sofort dem Charme dieses arroganten Sängers zu verfallen. Er war brillant in seiner Rolle und seine Stimme war unvergleichlich.
Sind wir gut? Wir sind gut!
Er beobachte Lucia und Jerome, wie sie nach der Probe aneinander abklatschten.
Trotz der Tatsache, dass er ausgeschlossen wurde, musste er lächeln. Er hatte noch nie so ein schönes Lächeln wie Jeromes gesehen.
III.
Es war kalt geworden, und bei einer der Proben fiel Alexander auf, dass sein Hals kratzte. Er hatte zwar versucht, genau diesen Fall vorzubeugen, doch nicht einmal in ihrer Branche waren sie vor Erkältungen und Stimmverlusten gefeit.
Es verschlimmerte sich den Nachmittag über, doch er sah trotzdem keinen Grund, nicht auf die Bühne zu gehen. Solange er die Töne traf, war alles in Ordnung.
An diesem Abend kam Jerome sehr kurz vor Vorstellungsbeginn zurück ins Theater. Als Alexander seine Stimme hörte, sah er nicht auf, da er genug mit seinem eigenen Hals beschäftigt war.
Doch statt dass der Mann wie immer schweigend an ihm vorbeiging, klopfte er ihm auf die Schulter und drückte ihm eine Thermoskanne in die Hand.
Salbeitee. Hilft immer.
Dann ging er wieder.
IV.
Weihnachten stand vor der Tür, und eines Tages tauchten viele Kekse im Theater auf. Sie standen plötzlich einfach so im Aufenthaltsraum, ohne Vermerk.
Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, schien sie jeder zu ignorieren. Alexander war zu schüchtern, um zu fragen, aber niemand nahm von ihnen Notiz, so als würde er sie sich nur einbilden. Andererseits kam es ihm so vor, als wurden sie von Mal zu Mal weniger.
Gen Abend hin konnte es Alexander dann nicht mehr aushalten. Er sah sich verstohlen um, ob noch jemand im Raum war, bevor er in eine der Dosen langte und einen Keks herausholte. Neugierig biss er ein Stück ab die waren toll. Die waren echt lecker.
Genau in diesem Moment ging die Tür auf, und Jerome trat ein. Alexander ließ fast den Keks fallen.
Ähm also ja. Er sah auf den Keks in seiner Hand. Weißt du von wem die Kekse sind?
Der Mann ging an ihm vorbei und nahm ein Skript vom Tisch. Von mir.
Mist. Oh! Oh! Tut mir Leid! Sie haben so gut ausgesehen und es stand nichts dabei und jetzt hab ich einen genommen und abgebissen und
Jerome ging wieder zurück und hielt kurz neben ihm an, um sich auch einen Keks zu nehmen. Die sind fürs Theater.
Und schon war er wieder aus der Tür.
V.
Im Normalfall kam er später ins Theater, doch heute war er der Erste hier. Schnurstracks ging er zum Aufenthaltsraum und machte das Licht an, nur um Jerome aus Versehen aufzuwecken, der auf der Bank lag.
Sein erster Impuls war wieder weg zu laufen, da er nicht schon wieder etwas gegen den Kopf geworfen haben wollte. Doch als Jerome keine Anstalten dazu machte und ihn nur anblinzelte, blieb er stehen.
Schläfst
also
schläfst du öfters hier?
Ein Murmeln, dann ein Kopfschütteln. Langsam setzte sich der Mann auf und gähnte.
Darf ich dann fragen, warum
? Ich meine, ich will jetzt nicht aufdringlich sein, es ist nur so, na ja-
Bei uns im Haus sind grad die Kammerjäger. Kann man die ganze Woche dort nicht schlafen. Jerome stand auf und schlenderte zum Kühlschrank.
Alexander nickte kaum merklich. Ihm war noch immer etwas unwohl im Beisein des anderen. Kannst du denn bei keinem übernachten?
Non. Meine beste Freundin renoviert selbst gerade und ich mag niemandem Umstände bereiten. Ist nicht meine Art. Er holte Milch aus dem Kühlschrank heraus.
Du kannst bei mir schlafen! Alexander biss sich auf die Zunge, als er diesen Satz ausgesprochen hatte. Er sollte gefälligst nachdenken, bevor er den Mund aufmachte. Trotzdem hängte er ein kleinlautes Mir würde es keine Umstände bereiten
an, als er Jeromes Blick sah.
Schweigen. Alexander dachte schon, er würde es einfach ignorieren.
Aber dann nahm Jerome ein zweites Glas aus dem Regal und schenkte dort auch Milch ein. Er hielt es ihm hin.
Jim.
Al-
Alex.
Und das erste Mal war Jeromes, nein, Jims Lächeln ihm bestimmt.
VI.
Jim saß auf den Stufen vor dem Theater und hatte eine Zigarette im Mund. Alex überraschte das, da er eigentlich in den paar Tagen, in dem er bei ihm geschlafen hatte, kein einziges Mal davon gesprochen hatte.
Du rauchst?
Jim sah zu ihm auf und nickte. Störts dich? Ich bin außerhalb des Theaters.
Sein Ton war leicht schroff, sodass Alex zusammenzuckte. Er hatte es sicher nicht so unfreundlich gemeint, aber er war doch noch etwas sensibel. Hastig schüttelte er den Kopf. Nein, nein, nein. Nur, du als Sänger, du brauchst doch eine gute Lungenleistung, und Rauchen wirkt dem eigentlich entgegen
Jim stand auf. Ich weiß schon, was ich tue. Er zog noch einmal an seiner Zigarette und warf sie dann zu Boden, bevor er die letzten Stufen zum Theater hinaufging. Kommst du jetzt mit rein? Während dieser Worte blies Jim den letzten Rauch aus seinen Lungen.
Komm schon! Alexander folgte ihm, und ohne es wirklich zu wollen kam er zum Schluss, dass Jim mit Zigarette durchaus seinen Reiz hatte. Badboy-Image.
VII.
Es war eine alltägliche Frage, die Jim ihn schief ansehen lies. Wie lautet eigentlich deine e-Mail-Adresse?
Die weißt du doch, antwortete der andere und wiederholte seine Postanschrift. Das wiederum verwunderte Alex etwas, wenn man bedachte, in was für einer Welt sie inzwischen lebten.
Nein. Die Adresse, wo deine elektronische Post landet. Über Yahoo, Hotmail, oder was weiß ich.
Jim zuckte mit den Schultern. Kenn ich nicht. Hab ich nicht.
Hast du überhaupt einen PC?
Kopfschütteln wieder. Alex Verwunderung wurde noch größer, das hätte er nicht von ihm erwartet. Natürlich wirkte Jim manchmal etwas seltsam, wie zum Beispiel sein Beharren auf diese Taschenuhr, aber einen PC hatte heutzutage doch jeder. Oder etwa nicht?
Weißt du was? Du kommst heute zu mir und ich helfe dir, eine einzurichten, schlug der blonde Mann vor. Jim nickte darauf.
Sie schwiegen wieder.
Und dann:
Was ist eigentlich deine Handynummer?
Jim sah ihn ein weiteres Mal schief an.
VIII.
Jim und er verstanden sich gut, je besser sie sich kennen lernten. Trotzdem gab es gewisse Dinge, die nie zur Sprache kamen, weil Alex seinen neu gewonnenen Bekannten nicht vergraulen wollte.
So zuckte er zusammen, als Jim ihm einmal diese eine Frage stellte: Bist du schwul?
Woher?! Ich habe doch gar nichts- Alex unterbrach sich selbst, da er schon wusste, dass Jim solche Fragen selten beantwortete. Er sah zu Boden. Ähm, ja.
Er erwartete schon, dass Jim jetzt weiterfragte, auch wenn er hoffte, dass es nicht zu tief ging. Über die Gefühle zu seinem Gegenüber war er sich immer noch nicht gänzlich im Klaren.
Stattdessen sah der Fragesteller wieder in seine Zeitung. Oh, okay.
Also, falls dich das stört, will ich gleich sagen, dann sollten wir uns vielleicht nicht mehr treffen, ich halte nicht viel von Leuten, die gegen-
Halt den Rand, Alex. Jim blätterte eine Seite um. Ich bin bi.
IX.
Einer der Kollegen hatte eine Gitarre mit ins Theater genommen, und Jim hatte sie sich geschnappt und spielte jetzt darauf. Alex kannte die Melodien zwar nicht, aber sie gefielen ihm, und so fing er plötzlich an, einen eigenen Text dazu zu erfinden.
Jim spielte das Lied fertig, sah Alex dann mit einem Lächeln an. Hast du dir den gerade selbst ausgedacht?
Alex nickte. Ich war mal in einer Band.
Jim spielte einen Akkord. Lass mich raten, du hast gesungen?
Wieder Nicken.
Das Lächeln wurde breiter, und ein zweiter Akkord ertönte. Oui, du hast aber auch wirklich eine tolle Stimme. Viel besser als der Idiot, der vor dir in der Rolle war.
X.
Heute ließen sich Alex und Lucia von Jim bekochen. Inzwischen hatten sich ihre Differenzen endgültig gelegt, und auch die privaten Besuche wurden immer häufiger. Auch wenn ihm auffiel, dass Jim sich über viele Dinge ausschwieg und meistens ihn reden ließ, glaubte er langsam, diesen Mann gut kennen gelernt zu haben.
Und lieben gelernt zu haben.
Er wusste, er sollte es ihm endlich einmal sagen.
Aber nicht heute, nicht im Beisein von Lucia, als sie darauf warteten, dass das Essen fertig wurde und sich in der Zwischenzeit die Fotos an der Wand ansahen. Eine Frau war ihm schon öfters dort aufgefallen, aber jetzt kam er endlich dazu zu fragen.
Jim, wer ist denn die eine Frau auf den Fotos?
Der Gerufene sah zu seinen Freunden hinüber, und als er verstand, auf wen Alex deutete, veränderte sich sein Gesichtsausdruck: Seine Augen begannen zu strahlen, seine Lippen zeigten ein zufriedenes Lächeln.
Eine sehr gute Freundin von mir.
Alex Herz verspürte einen Stich.
Augen leuchteten nur so, wenn sie liebten.
XI.
Der Großbrand in einem der äußeren Bezirke war Gesprächsthema Nummer eins, als er ins Theater kam. Es war wirklich schrecklich, das musste er zugeben. Zwei Tote und viel Schaden. Die Polizei ermittelte noch in diesem Fall, aber im Theater waren sie sich jetzt schon einig: Brandstiftung.
Nur Jim hielt sich wie immer aus diesen Gesprächen heraus. Aber da Alex auch seine Meinung dazu wissen wollte, stellte er sich einfach mal neugierig neben seinen Freund, der gerade im Kühlschrank herumsuchte.
Was hältst du eigentlich von dem Großbrand heute Nacht?
Was soll ich davon halten?, kam die Antwort zurück.
Alex zuckte mit den Schultern. Ich meine, wenn das wirklich Brandstiftung war ist das nicht schrecklich? Die Vorstellung, dass jemand frei herumläuft, der mit Feuer Herr über Leben und Tod spielt? Ohne Gewissen?
Jim richtete sich auf und schlug den Kühlschrank zu.
Thats life, sagte er und sah Alex mit einem Blick an, der ihn erschaudern ließ. Dann ging er.
Hatte er sich das nur eingebildet, oder waren ein paar von Jims Haaren tatsächlich leicht angesengt?
XII.
Alex hatte wirklich Angst um Jim. Er war seit Tagen krankgeschrieben und war weder an die Tür gegangen, noch hatte er vom Telefon abgehoben. Würde er es nicht besser wissen, würde er sagen, Jim war gar nicht daheim. Doch er sah vereinzelt Schatten hinter den Vorhängen vorbeihuschen.
Er wusste einfach, dass etwas passiert sein musste. Jim blieb sonst niemals von der Bühne weg.
Unter einem Vorwand hatte er sich vom Hausmeister den Schlüssel besorgt, und so trat er jetzt angespannt in die Wohnung, die nicht anders aussah als sonst.
Er fand Jim auf seinem Sofa, den Kopf gesenkt, vor sich auf dem Tisch all die Fotos von den Wänden.
Jim? Er kam langsam näher und ignorierte die Bilder der Frau. Die waren jetzt unwichtig.
Der Angesprochene sah auf, und als Alex ihn anblickte, verstand er. Ohne zu zögern legte er seine Arme um den Mann.
In seinen Augen stand Verlust. Ewiger Verlust, schmerzhafter Verlust.
Die Frau war fort, und Alex tat es weh seinen Freund so zerbrochen zu sehen.
XIII.
Er traf Jim in seiner Wohnung an, wie dieser gerade dabei war, seine Sachen zu packen. Es erschreckte ihn sehr, dass Jim ihm nichts von seinem Vorhaben gesagt hatte, und noch mehr, wie schweigend er wieder geworden war.
Jim, lass das! Du kannst doch mit mir über alles reden, warum redest du nicht? Du musst nicht von hier wegziehen. Jim, bitte!
Jim ignorierte ihn, und Alex packte ihn am Arm, um ihn von seiner Arbeit abzuhalten. Er wollte nicht, dass er wegzog. Er wollte seinen Freund nicht verlieren. Seinen Schwarm.
Ich brauche eine Pause von dieser Stadt. Aber ich komme wieder, versprochen. Der Mann legte ihm eine Hand auf die Schulter, lächelte traurig.
Das ist der Moment, dachte sich Alex. Küss ihn. Jetzt oder nie.
Jim ging aus dem Raum, und der Moment war vorbei.
XIV.
Es war eine totale Überraschung, niemand wusste etwas davon doch Alex hatte keinen Zweifel daran, dass Jim wieder da war, als er aus der Ferne seine Stimme hörte. Ohne nachzudenken lief er los, der Stimme nach, und fand ihn schlussendlich im Probenraum beim Ensemble.
Im nächsten Augenblick lagen er und Jim am Boden, weil er etwas zu stürmisch für die Umarmungsbegrüßung gewesen war.
Du bist wieder da! Proteste aus dem Ensemble. Stör ich?
Jim schüttelte den Kopf. Du störst niemals!
Er musste noch mehr grinsen, als er sah, dass das schelmische Funkeln in Jims Augen zurückgekehrt war.
XV.
Alex war sich nicht ganz sicher, wie viel von dem Applaus nur deswegen zu hören war, weil Jim wieder da war, und wie viel wirklich an seiner Darstellung lag, aber es war ihm egal. In seinen Augen hatte sich der Mann wirklich noch um ein großes Stück gebessert, und so schlug er nach der Vorstellung bei ihm ein und gratulierte ihm.
Du bist der lebendigste Lucheni, den ich jemals erlebt habe.
Auf einmal veränderte sich das Lächeln um eine Spur und bekam einen Hauch von Gefährlichkeit. Mit zwei Fingern hob der Mann sein Kinn an.
Eure Majestät, das ist nicht Signor Lucheni, das bin einzig und allein ich.
XVI.
Es war die erste Nacht, in der Alex verstand, dass mit Jim mehr los war als nur die Trauer um eine inzwischen schon länger verstorbene Frau.
Er übernachtete bei ihm, doch dieses Mal schlief er sehr schlecht. Er war aufgedreht von dem tollen Abend, den sie alle vom Theater veranstaltet hatten, und hörte zu später Stunde immer wieder den Mann aufstehen, Flaschen öffnen, herumlaufen. Irgendwann kamen sie beide zur Ruhe, bis Alex auffuhr.
Ein Schrei.
Erschrocken eilte der Mann ins Schlafzimmer seines Freundes, hörte ihn unverständlich und heftig vor sich hinmurmeln, im Traum die schlimmsten Monster bekämpfend.
Alex schüttelte Jim, versuchte ihn zu aufzuwecken, ihn aus diesem Alptraum zu befreien, doch es funktionierte nicht. Er versuchte Jims Worte zu verstehen, doch entweder sie ergaben keinen Sinn, oder er verstand die Sprache nicht.
Jim, wach auf!
Jim drehte sich zur Seite, weiter im Schlaf redend, in einem entschuldigenden, einem verzweifelten Ton. Schlussendlich legte Alex eine Hand auf die Wange des anderen Mannes und augenblicklich war Ruhe.
Er wollte sie wieder wegziehen. Jim hatte sich beruhigt.
Aber auf einmal legte Jim die Hand auf seine Hand und suchte darin Halt. Er schlief noch immer, aber er wollte ihn nicht gehen lassen.
Also war das die erste Nacht, in der sie sich ein Bett teilten, obwohl sie nicht zusammen waren.
XVII.
Es war verrückt, dass er schon wieder eifersüchtig war, aber er war es. Es war verrückt, weil er selbst schuld daran war, dass er Jim noch nichts von seinen Gefühlen gesagt hatte. Aber er konnte das Gefühl der Eifersucht nicht abstellen, als er Jim mit seiner neuen Freundin aus dem Ensemble turteln sah.
Dabei war es bei ihr und Jim nicht anders gelaufen als bei ihm und Jim. Die ersten Worte waren böse gewesen, und jetzt waren sie ein Paar.
Eifersüchtig? Alex schreckte aus seinen Gedanken auf, als er Jims Stimme an seinem Ohr hörte. Er grinste. Du bist doch nicht eifersüchtig auf sie, oder?
Empört wandte Alex den Blick ab. Empört, und weil er nicht wollte, dass Jim eventuell die Wahrheit in ihnen las. Arroganter Idiot. Nicht jeder liebt dich.
Da bin ich aber beruhigt. Jim strich ihm eine Strähne aus seinem Gesicht. Ich hätte nämlich nicht gewusst, was ich tun sollte, wenn doch.
Jim ging wieder weg, und ließ ihn verwirrt zurück.
XVIII.
Seit mindestens zehn Minuten saß Alex jetzt da und beobachtete Jim, wie dieser in ein weißes Notizbuch etwas schrieb. Und das war nicht das erste Mal, dass er ihn dabei sah. Anfangs hatte er gedacht, es war eine Art Terminplaner, aber dazu wirkte Jim zu unorganisiert dabei.
Also unterbrach er ihn dieses Mal.
Was notierst du da eigentlich?
Jim sah nicht einmal auf. Dies und das.
Ja, und was ist dies und das?
Er seufzte, nahm das Buch und drehte es zu ihm. Auf einer Seite war eine ganz gute Zeichnung von Alex. Sicher nicht perfekt, aber er mochte Jims Stil, er war angenehm anzusehen.
Mir war langweilig, okay?
XIX.
Die neue Besitzerin des Theaters hatte am Morgen angekündigt, dass sie mit der derzeitigen Besetzung nicht zufrieden war. Aus diesem Grund herrschte eine angespannte Stimmung und jeder versuchte so gut wie es ging, sowohl den Gedanken an eine eventuelle Kündigung zu verdrängen, als auch der Dame aus dem Weg zu gehen.
Alex wollte gerade um die Ecke gehen, als er dahinter die Besitzerin stehen sah. Augenblicklich wich er zurück, doch sie war mit jemand anderem beschäftigt.
Ich sage es dir, wage es nicht, ihn zu kündigen. Du hast keine Ahnung von unserem Geschäft. Also verschwinde wieder! Hau ab! Es war Jim, der dort diskutierte. Er schien die Frau zu kennen.
Wenn du Alexander kündigst, gehe ich mit.
XX.
Jim saß, nein, lag dieses Mal im Aufenthaltsraum herum, als Alex die Tür aufmachte. Die Füße gegen die Wand gelehnt, den Oberkörper auf dem Sofa, hatte er Stricknadeln und Wolle in der Hand und strickte tatsächlich.
Alex traute seinen Augen kaum. Jim, du kannst stricken?
Der Angesprochene brummte zustimmend, fügte aber dann hinzu: Ich kann auch Socken stopfen und Hosen flicken, bevor du fragst. Ich musste früher viele Dinge ausbessern. Er zog am Faden, um noch mehr Wolle zu lösen.
Was strickst du da? Alex schloss die Tür hinter sich und setzte sich neben Jim.
Einen Schal. Wieder eine kurze Pause, bevor er weiter sprach. Für dich.
Für mich? Jetzt war er baff. Ich habe doch einen.
Du hattest einen.
XXI.
Jim stand vor seiner Tür und läutete Sturm. Als Alex die Tür aufmachte, fiel er ihm augenblicklich in die Arme, die Augen rot geweint, der ganze Körper bebend.
Was ist denn passiert?! Jim, jetzt beruhig dich doch! Umständlich schloss Alex wieder die Tür.
Jim schluchzte. Weg, flüsterte er, und dann lauter: Sie ist weg. Noch ein Schluchzen. Sie hat sich von mir getrennt. Sie geht weg! Sie geht nach London!
Shhh, machte Alex, und strich seinem Freund beruhigend über den Rücken. Alles wird wieder gut.
Und obwohl Jim ihm Leid tat, war er auch erleichtert. Sie war weg, und vielleicht schaffte er es bei diesem Mal, ehrlich zu ihm zu sein.
XXII.
Alex, Lucia und Jim standen in Osaka und versuchten den Weg zu ihrem Hotel zu finden. Sie hatten dort ein Gastspiel, und die drei Hauptdarsteller hatten es tatsächlich geschafft, vom Bus vergessen zu werden oder waren absichtlich vergessen worden und standen jetzt also sehr verloren da.
Lucia diskutierte gerade mit Alex, welchen Weg sie einschlagen sollten, da es aus der Karte nicht richtig hervorging. Jim stand einfach nur abwartend daneben, bis es ihm zu langweilig wurde und er seinem Freund einfach die Anschrift des Hotels aus der Hand nahm und zu einem Passanten ging.
Augenblicklich waren Alex und Lucia still und starrten ungläubig den Dritten in ihrem Bunde an, der mit einer ausgezeichneten Wegbeschreibung wieder zurückkam.
Du du sprichst japanisch?!, brachte Alex als erster heraus. Woher kannst du japanisch?
Schulterzucken. Hatte mal einen guten Lehrer.
XXIII.
Sie machten zu dritt gemeinsamen Urlaub und saßen gerade in einem Café in einer italienischen Stadt, in die sie zwar nicht wollten eigentlich hatten sie sich nur mal wieder verfahren -, als das Thema auf Jims Haare kam. Verwirrt sah der Schwarzhaarige auf seine beiden Freunde.
Was habt ihr beide jetzt schon wieder mit meinen Haaren? Ich kann auch sagen, ich mag Lucias und deine Haare!
Ja, aber deine Haare sind was ganz Besonderes, erwiderte Alex mit einem Grinsen. Die haben so richtig ihren eigenen Willen. Müssen toll zum Angreifen sein.
Jim verdrehte die Augen. Ihr beide wisst, wie sie sich anfühlen. Von ihnen ein Kichern, er hingegen seufzte. Wollt ihr sie noch einmal angreifen?
Heftiges Nicken.
Noch ein Seufzen. Na dann macht schon.
Alex liebte das Gefühl, durch Jims Haare zu fahren.
XXIV.
Jetzt war er schon lang genug der Tod in Elisabeth, aber es war für ihn immer noch ungewohnt, wenn er durch den Bühneneingang hinaustrat, und auf einmal viele Menschen sich darüber freuten und ihm Stifte und Bilder zum Signieren hinhielten.
Natürlich machte er es, und er fand es auch schön, aber er war nicht wie Jim, wie er wieder mal feststellen musste.
Jim liebte seine Fans aus vollem Herzen, und dafür liebten seine Fans ihn aus vollem Herzen. Er brauchte die Aufmerksamkeit und den Rummel um seine Person, viel, viel mehr als Alex es jemals brauchen würde.
So, und jetzt bitte lächeln!, wies Jim ihn an, als er ihn einfach umarmte und ihn vor eine fremde Kamera zog.
Nun ja, solange sich die Fans und Jim sich freuten, freute er sich auch.
XXV.
Heute standen sie in Amsterdam. Nein, genauer sie sollten in Amsterdam stehen, aber das hier sah ziemlich eindeutig nicht nach einer anständigen Stadt aus. Doch dieses Mal war niemand in der Nähe, den sie fragen konnten, und Lucia hatte auch aus Versehen ihre Karte in einen Fluss fallen lassen. Und zu allem Überfluss war hier auch nirgends Handyempfang.
Darum saßen sie zu dritt am Rand einer Straße und warteten darauf, dass ein Autofahrer kam, der sie mitnehmen konnte.
Sie warteten schon lange, und langsam wurde Alex hungrig. Er hatte seit Stunden nichts gegessen.
Ich bin hungr-, wollte er schon beginnen, als er zu Jim sah, wie dieser gerade eine Banane schälte. Woher hast du die her?!
Schulterzucken, aber dann griff er schweigend in seine Manteltasche und zog eine weitere Banane heraus, die er Lucia gab. Und danach noch eine dritte, die er ihm gab.
Alex war ganz baff. Seine Taschen wirkten immer so leer. Was hast du da noch drinnen?!
Jim ließ zog weitere Gegenstände heraus: Ein Apfel, eine Uhr, ein Stein in der Form eines-
Schon gut, schon gut! Alex unterbrach ihn. Wie passt das da alles rein?
Wieder Schulterzucken. Ich bin gut im Sachen verstauen.
XXVI.
Alex betrachtete die ausgelegten Waren auf einem Flohmarktstand. Es waren ganz schöne Dinge dabei, obwohl er an sich nicht so ein Fan von Flohmärkten war. Wie er beobachten konnte, Jim war das komplette Gegenteil breit grinsend zog er ihn von Stand zu Stand und wieder zurück, diskutierte mit den Verkäufern über Wert und vergangene Zeiten und erklärte ihm bei gewissen Dingen die Bedeutung oder erzählte ihm Geschichten über verschiedene Personen dazu.
Jim war gut in Geschichte, das war beeindruckend. Alex war zwar nicht so interessiert in Geschichte, aber er hörte gern Jims Stimme zu, und die Erzählungen waren wirklich oft witzig.
Doch plötzlich brach er ab.
Was ist denn los?, fragte Alex nach und folgte Jims Blick. Er starrte auf eine kleine goldene Kette, nahm sie in die Hand und betrachtete den kleinen Anhänger genauer. Er sah aus wie ein Wappen. Oder besser, wie ein Schild.
Die schenk ich dir. Plötzlich hielt er ihm die Kette hin und sah ihn ernst an.
Alex war verwirrt. Mir? Warum?
Er zuckte mit den Schultern. Das Schild des Beschützers. Das Lächeln kam wieder. Dein Name. Es passt zu dir. Ich schenk dir das jetzt, weil schenken schön ist!
Ohne sich auf eine weitere Diskussion einzulassen, legte er ihm die Kette in die Hand und drehte sich wieder zum Standbesitzer.
Er ignorierte selbst sein Danke.
XXVII.
Lexie.
Plötzlich kam Jim mit diesem Spitznamen an und Alex wusste nicht, woher. Aber er fand Alex eindeutig besser, so sicher war er sich.
Ich mag Lexie. Manchmal bist du wie eine Lexie. Er grinste ihn an und beugte sich zu ihm.
Alex runzelte die Stirn. Eine?
Ja, eine! Eine Lexie eben! Jims Gesicht kam seinem immer näher, immer und immer näher, bis sich ihre Nasenspitzen berührten.
Es war wieder so ein Moment in Alex Empfindung, und dieses Mal dachte Alex tatsächlich, es könnte klappen. Es musste klappen, dieses Mal waren sie soweit. Er wusste es.
Und plötzlich wuschelte Jim ihm durch die Haare und lachte ein kindliches Lachen.
Nein, ich bleib bei Alex!
Der Moment war ein weiteres Mal vorbei.
Aber auf einmal tat es nicht mehr so weh.
XXVIII.
Wie konnten sich drei erwachsene Menschen innerhalb von nur zwei Stunden im Inland verfahren? Sie hatten doch gerade mit ihrer Tour erst begonnen, und schon kurvten sie irgendwo im Nirgendwo herum und diskutierten wieder über den weiteren Weg.
Oder, nein, um genauer zu werden er versuchte das Auto auf der Fahrbahn zu behalten, während er mit Lucia am Beifahrersitz diskutierte und Jim wie immer bei solchen Diskussionen erst einmal schwieg.
Irgendwann riss Jim Lucia die Karte aus der Hand und zog sie zu sich nach hinten, und auf einmal verstummte die Frau und starrte nur mal wieder ihren gemeinsamen Freund an.
Was ist denn jetzt schon-, begann Alex, brach aber ab, als er einen Blick in den Rückspiegel warf. Auf Jims Nase saß auf einmal eine Brille. Jetzt kannte er ihn schon solange und er hatte es nicht für nötig empfunden, ihm das zu erzählen?!
Erfahren wir solche seltsamen Dinge über dich immer nur, wenn wir auf Reisen sind?
Si, die behalte ich mir extra für solche Situationen auf. Und jetzt die nächste Ausfahrt Richtung Ausland nehmen.
XXIX.
Dieses Mal standen sie in New York und liefen zu dritt durch die dunkeln Straßen. Wieder einmal hatten sie den Weg zu ihrem Hotel vergessen, aber dieses Mal ließen sie sich nicht die Laune von dieser Situation verderben. Im Gegenteil.
Doch ihr Lachen verstummte abrupt, als sich ihnen eine Bande bewaffneter Männer in den Weg stellte. Sie wollten Geld, und wie sie Lucia ansahen, wollten sie noch mehr. Alex wusste nicht, was sie tun sollten, doch Jim ignorierte sie einfach. Er zog sie weiter. War er verrückt?
Die Männer drohten, und Jim drohte zurück, obwohl sie in der Unterzahl waren. Dann zog er sie wieder weiter.
Das gefiel den Männern gar nicht, denn plötzlich wurde einer handgreiflich und wollte auf Alex losgehen, der durch Lucias beherztes Eingreifen nur an der Wange vom Messer gestreift wurde. Zwar bildete er sich ein, dass Lucia mehr getroffen wurde, doch sie zeigte keine Regung, kümmerte sich nur um seine blutende Wunde.
Im Gegensatz dazu stand Jim, der auf einmal seine Hände zu Fäusten ballte.
Ich habe gesagt, verschwindet. Tut es zu eurer eigenen Sicherheit.
Die Männer hörten nicht, stattdessen kam ein erneuter Angreifer, den Jim mit einem gezielten Faustschlag ins Reich der Träume schickte.
Jim, bist du verrückt?! Du kommst niemals gegen all die an! Alex versuchte ihn noch von seinem Vorhaben abzuhalten, aber Jim drückte ihn zurück. Kam es ihm nur so vor, oder waren seine Augen auf einmal finsterer geworden?
Absolut niemand vergreift sich an meinen Freunden. Schon gar nicht an dir!
Im nächsten Moment hatte Jim eine Sense in der Hand und stellte sich der ganzen Meute.
XXX.
Alex und Jim stritten sich. Alex konnte nicht glauben, nicht verstehen, warum Jim ihm so einen großen Teil seiner Persönlichkeit verschwiegen hatte er dachte, sie waren Freunde. Er dachte, er wüsste vieles über Jim. Und jetzt hatte er erfahren, dass Jim der Tod war und Lucia eine seiner Untergegebenen!
Und, war das ein abgekartetes Spiel zwischen euch beiden?! Der Tod bringt sein Mädchen auch einfach in eine der bekanntesten Rollen, und der arme Wicht, der den Tod spielt, wird einfach mal seinem Schicksal überlassen? War das eure Intention, habt ihr nur darauf gewartet, mich umzubringen?!
Nein nein! Alex, hör mir doch zu, Lucia hat nicht gewusst, wer ich bin! Und ich wusste nicht, dass Lucia sich als Elisabeth damals beworben hatte. Ich wollte es dir einfach nicht sagen, weil ja, deswegen eben! Genau deswegen! Ich wollte dich nicht umbringen, niemals, egal was du denkst! Vertrau mir doch!
Warum sollte ich überhaupt noch vertrauen, Eure Tödlichkeit?
Jim antwortete nicht, sondern ging auf einmal aus dem Zimmer. Anhand der Bewegungen konnte Alex sehen, wie tief ihn diese Frage getroffen haben musste.
Er ließ sich auf das Bett fallen und fing an zu weinen.
XXXI.
Alex fluchte, als er auf einmal das befürchtete Piepsen hörte. Handyakku leer, und gerade keine Chance, ihn wieder aufzuladen.
Jim sah ihn mit gerunzelter Stirn an. Probleme?
Er hob sein Handy hoch. Leer.
Jim fasste in seine Manteltasche und zog ein eigenes Telefon heraus, das er ihm in die Hände warf. Da, nimm meins. Jetzt, wo er endlich eins hatte.
Dankend klappte Alex das Handy auf und blinzelte ein paar Mal, weil er alles auf dem Handy konnte: Nur nichts entziffern. Keine arabischen Zahlen, keine lateinischen Buchstaben. Nur seltsame Zeichen.
Äh, Jimmy?
Der Angesprochene sah wieder zu ihm.
Alex wackelte mit dem Handy. Hast du auch eins, das ich eventuell lesen kann?
Oh. Ein Schnippen, und auf einmal veränderten sich die seltsamen Zeichen zu für ihn lesbare Buchstaben und Ziffern. Ein beschämtes Grinsen. Es ist angenehmer für mich, wenns in meiner Sprache geschrieben ist.
XXXII.
Das ist der beste Geburtstag, den ich jemals gehabt habe! Jim strahlte über das ganze Gesicht, als er Alex zu sich zog und sie vor der Kamera posierten.
Alex war sich dessen bewusst, dass Jims Geburtstag nur ein willkürliches Datum war, das er in seinen Pass geschrieben hatte. Genauso wie die Tatsache, dass er heute nicht dreißig wurde, und dass eine Geburtstagsfeier im eigentlichen Sinn nur Betrug war.
Aber als er und Lucia sie geplant hatten, hatten sie darüber zwar diskutiert, es dann aber ignoriert. Und jetzt, wo er Jim inmitten dieser Feier sah, die größer geworden war als sie erahnt hatten, wusste er auch, warum sie trotzdem feierten: Jim freute sich wie ein kleines Kind über all diese Aufmerksamkeit, und man konnte ja sagen was man wollte, aber er wusste zu feiern.
Losloslos, und jetzt tanzen wir! Jim zog ihn auf die Tanzfläche, bevor er ihn noch einmal umarmte.
Du bist ein Genie, Alex!
XXXIII.
Sie saßen auf Jims Sofa und sahen sich gerade Skispringen an, als Jim einfach so aus dem Nichts sagte:
Ich glaube, meine beste Freundin will was von mir.
Alex sah verwirrt auf, weil er nicht genau wusste, was er erwidern sollte. Aber er wusste zumindest, dass Jim nicht Lucia meinte. Er meinte die andere Frau, die Alex mehr schlecht als recht kannte. Ist das schlecht?
Jim zuckte mit den Schultern. Weiß nicht. Er trank von seiner Bierflasche, während sich Alex aufsetzte. Es ist nur idiotisch ich meine, in meinen Augen. Ich liebe sie, so wie ein Bruder seine große Schwester liebt, aber nicht wie ein Mann eine Frau lieben sollte. Ich würde wirklich alles für sie tun, aber ich fand es besser, als wir nur Freunde waren. Er legte seinen Kopf zurück und schloss die Augen. Beziehungen sind immer so verdammt kompliziert. Und ich will mit meinen Freunden keine Beziehung, dazu seid ihr mir alle viel zu wichtig.
Alex schwieg.
Jim machte die Augen wieder auf und fuhr ihm durchs Haar. Ich bin echt froh, dass du nie etwas von mir wolltest. Du bist der beste beste Freund, den ich in den letzten Jahrhunderten gehabt habe, und ich würde gar nichts anderes wollen.
Er lächelte ihn an, und Alex erwiderte das Lächeln. Ja, du auch.
Irgendwie erfüllten ihn diese Worte mit mehr Zufriedenheit als er jemals erwartet hatte.
XXXIV.
Es regnete, als Alex neben seinem Vater auf der Straße saß und seine letzten Minuten mit ihm verbrachte. Er kannte die Regeln: Kein Einmischen, kein Hilfe holen. Aber wenn du dabei sein willst, mache ich es dir möglich.
So wartete er darauf, dass die Zeit ablief, während er ihm die Hand hielt und doch innerlich betete, dass ein Passant kommen würde, der Erste Hilfe leistete. Aber nicht um die Zeit und nicht bei diesem Wetter.
Schlussendlich war es so weit, und Jim trat näher, legte ihm eine Hand auf die Schulter. Alex schüttelte den Kopf, versuchte Jim wegzustoßen, wollte seinen alten Herrn nicht gehen lassen. Wollte nicht, dass der Tod ihn holte. Sein Freund ihn holte.
Aber Jim ließ sich nicht abwehren, sondern kniete sich trotzdem hin, und fuhr mit der Hand leicht über den Oberkörper. Alex meinte, ein leichtes Leuchten zu erkennen, doch es war schneller vorbei als es begonnen hatte.
Die Hand seines Vaters wurde lasch.
Der Regen wurde stärker, als Alex sich in Jims Arme warf und nicht mehr sagen konnte, was Tränen und was Regen auf seinem Gesicht waren.
Er suchte Trost beim Tod.
Er wollte ihn dafür hassen, doch alles was er jetzt noch tun konnte war weinen.
XXXV.
Neugierig blieb Alex bei einem Baum stehen, als er in einiger Entfernung Jim und einen anderen Mann auf einer Parkbank sitzen sah. Die beiden schienen sich gut miteinander zu unterhalten, lachten miteinander und da war eindeutig mehr zwischen den zwei Männern als nur Freundschaft.
Jim sah den Mann mit grenzenloser Zuneigung an, als dieser ihm einen Kuss auf die Stirn gab und ihm zärtlich durch die Haare fuhr. Ein strahlendes Lächeln, dann lehnte sich sein Freund gegen den anderen und schloss zufrieden die Augen.
Er hatte seinen Halt gefunden, wie es schien. Zumindest jetzt in diesem Moment.
Alex musste auch lächeln und ging weiter.
Und zu seiner Überraschung verspürte er kein Stück Eifersucht. Er freute sich nur für seinen Freund.
XXXVI.
Es war verrückt, was sie hier abzogen, das wusste er. Es war total durchgeknallt und ohne jeglichen Plan oder Sinn, aber es machte Spaß und er war froh, zugestimmt zu haben.
Jetzt standen sie nach der letzten Vorstellung in vertauschten Rollen auf der Bühne und persiflierten das Musical, das sie so erfolgreich lassen hat werden. Aber es war ihre Art, mit der Trauer umzugehen: Darüber lachen, darüber erzählen. Dem Publikum die beste Show ihres Lebens bieten.
Alex wusste, so ein Tag kam niemals wieder.
Und als Jim als vertauschter Tod ihm als vertauschte Elisabeth einen Kuss gab, den vielleicht das Publikum als gespielt ansah, und von dem nur Alex fühlte, wie echt und leidenschaftlich er war; und als sie sich nach diesem einzigen, ersten und letzten Kuss in all den Jahren ansahen und Jim ihn angrinste, da wusste Alex auch:
Er würde diese Freundschaft um nichts in dieser Welt eintauschen wollen. Niemals und unter keinen Umständen.









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caught... never join a sect!
Man hat ja lang nichts mehr von dir gehört.
Ich wünsch dir ein schönes Wochenende oder eine schnöne Woche, je nachdem, wann du das hier liest
LG,
Andrea
Thanks for the fave!
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Shamble bobble dibble dooble
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